»Strafen kann nicht mehr nur als Thema philosophischer Gerechtigkeit untersucht werden, wenn die sozialen Fragen der (Un-)Gleichheit so offensichtlich sind. Seine Studie wirft damit helles Licht auf blinde Flecken unseres Strafsystems, das schon lange nicht mehr als Lösung, sondern selbst als Problem verstanden werden muss.« (TAZ vom 25.2.: Die Irrationalität des Strafens)

Ist es eigentlich Zufall, dass in den letzten 2-3 Jahren gleich drei französische Intellektuelle sich mit der Strafe und der Notwendigkeit ihrer Abschaffung befassen? Neben dem extrem lesenswerten »Verurteilen« von Geoffroy de Lagasnerie eben jener Text von Didier Fassin (Der Wille zum Strafen) sowie die literarische Auseinandersetzung mit einem Gewalterlebnis und Fragen von Verzeihung bei Eduard Louis in »Im Herzen der Gewalt«.

Vielleicht sind wir an einem Punkt des neoliberalen Kapitalismus angekommen, an dem die Aburdität der Idee der individuellen Schuld und Verantwortung angesichts der Perversität der Herrschaftsverhältnisse endlich anfängt, offensichtlich zu werden.

Niemand fällt als Nazi vom Himmel, niemand wird als Verbrecher geboren. Wir sind gemachte, gewordene. Und wenn das so ist, dann tragen wir alle ein Stück Verantwortung an jedem Akt der Gewalt, den jemand begeht, und an jeder Lebenssituation, die Menschen in die Illegalität und die »Kriminalität« treibt.