Archive for the ‘Strafe & Alternativen’ Category

Neues Buch – anderes Thema: Strafe und Gefängnis. Theorie, Kritik, Alternativen. Eine Einführung.

Montag, Juli 9th, 2018

Coming up next von mir ein Sammelband zur Einführung in die Kritik an Strafe und Gefängnis inklusive Präsentation möglicher utopischer und praktischer Alternativen. Längst überfällig, es gibt kaum aktuelle abolitionistische Literatur und schon gar keine, die auch auf die Frage „was tun mit den ganzen schlimmen Menschen, wenn man sie nicht mehr einsperrt?“ bzw. „Wie soll das gehen, ohne Strafe?“ Antworten parat hat.

Erscheinungstermin Oktober 2018 bei Schmetterlin Verlag.

Klappentext:

Obwohl Strafe ein Kern von Herrschaft ist, weil sie immer Institutionen bedarf, die sie ausführen, und immer bedeutet, dass sich ein Individuum über das andere erhebt, ist die Kritik der Strafe und des Gefängnisses als zentrale Strafinstitution moderner Gesellschaften in linken Kreisen eine Seltenheit. Noch weniger als über Strafe und Gefängnis wird aber über mögliche Alternativen gesprochen, geschweige denn Entsprechendes ausprobiert.
Dieses Einführungswerk soll hier Abhilfe schaffen. Der Sammelband vereint zum ersten Mal Kritik an Strafe und Gefängnis mit einer Präsentation möglicher Alternativen für ein linkes Publikum. Neben Vorstellungen von Straftheorien und kritischer Kriminologie stehen Beiträge über Gefängniskritik, Wortmeldungen aus dem Gefängnis und Gedankenspiele zu seiner Abschaffung. Mit den Konzepten Restorative Justice und Transformative Justice – zu deutsch irgendetwas zwischen „heilende Gerechtigkeit“ und „transformierende Unrechtsbewältigung“ – werden handfeste Alternativen aufgezeigt. Wissenschaftliche, essayistische und politisch-aktivistische Beiträge ergänzen dabei einander.

Vortrag: Strafe ist Herrschaft

Montag, März 12th, 2018
3. Juni 2018
18:00bis21:00

Der Vortrag ist ein Teaser für mein neues Buch »Strafe – Kritik und Alternativen. Eine Einführung«, das (hoffentlich) im Herbst beim Schmetterling Verlag in der Reihe »Black Books» erscheinen wird.

»Auch die klassenlose Gesellschaft wird sich – wenn nötig – gegen Schädlinge sichern. Bestrafen aber – ob zur Vergeltung oder zur Besserung – ist eine Anmaßung des bürgerlichen Klassenstaates.« – Max Hoelz

Strafe ist ein Kern von Herrschaft. Das Überwinden der Straflogik muss daher gleichzeitig Voraussetzung der Überwindung von Herrschaft wie auch ihr Ziel sein. Strafe bedarf immer Institutionen, die sie ausführt, und bedeutet immer, dass sich ein Individuum über das andere erhebt. Wer straft, stellt sich selber ins Recht und den Anderen ins Unrecht. Ohne eine entsprechende Ordnung, die dies verlangt, billigt, ermöglicht und die Umsetzung absichert, ist Strafe nicht denkbar.
Doch wie mit leidvollen Konflikten anders umgehen? Nicht alles erledigt sich durch die Abschaffung des Kapitalismus und die Schaffung bedürfnisorientierter Verhältnisse von selbst. Menschliches Verhalten ist fehlerhaft, Zusammenleben bedeutet immer auch Spannung und Schwierigkeit.
Restorative und Transformative Justice – zu deutsch irgendetwas zwischen „heilende Gerechtigkeit“ und „transformierende Unrechtsbewältigung“ – setzen hier an. Während die Strafjustiz die Justiz des Staates ist, ist RJ/TJ die Konfliktregelung der Leute. Sie fokussiert auf Wiedergutmachung statt Strafe, Reintegration statt Ausschluss und Stigmatisierung, Empathie statt Verurteilung, Dialog statt Verhandlung, Empowerment statt Ohnmacht.
Die Umsetzung von RJ/TJ Praktiken kann in allen Umgebungen, die sich als „Community“ begreifen, hier und heute anfangen. Auch werden verschiedene RJ-Modelle seit den achtziger Jahren in einigen Ländern als Ergänzung zur Strafjustiz angeboten (in Deutschland: Täter-Opfer-Ausgleich/Mediation im Strafverfahren). Doch alles, was die Herrschaft nicht überwindet, trägt nur zu ihrer Erträglichkeit bei oder wird von ihr kooptiert. Das ist ein Spannungsverhältnis, weil die Alternative nicht heißen kann, auf die Umsetzung neuer Ansätze im Jetzt zu verzichten.
Restorative und Transformative Justice Sie sind Modelle für eine selbstbestimmtere Praxis der Unrechtsbewältigung, sowohl im Jetzt als auch in einer befreiten Gesellschaft. Ihren revolutionären Gehalt wird der Vortrag untersuchen und dabei auch auf die Erfahrungen in Chiapas und Rojava eingehen. Nicht zuletzt tut uns allen ein Umdenken im Alltag, ein Ausstieg aus der Straflogik im Umgang miteinander gut.

Ort: neue Gesellschaft für bildende Kunst [nGbK], Oranienstaße 25 – 2. Stock, 10999 Berlin

Veranstalter*innen: Jourfixe Initiative Berlin