Ein- oder Zwei-Tagesworkshops zu Strafe und Alternativen

Neues Format:

Da das Thema Strafe und Alternativen so umfangreich ist und dabei so sehr mit unseren eigenen Erfahrungen zusammenhängt, biete ich ein neues Format zum Buch an. Anstelle einer einfachen Buchvorstellung mit Diskussion, könnt ihr mich auch für einen (teilnehmer*innen-begrenzten) Workshop über ein oder zwei Tage einladen.

Der Workshop teilt sich in zwei Teile: 1. Strafe und 2. Alternativen.

Im ersten Teil erarbeiten wir gemeinsam, was Strafe eigentlich ist und warum wir sie einsetzen. Wir sprechen über unsere Erfahrung mit dem Strafen und Bestraft-werden, über die verschiedenen Kontexte des Strafens sowie über das Gefängnis und den gesellschaftlichen Strafapparat. Dabei geht es auch um die Frage, wie Gesetze und Regeln funktionieren, was Kriminalität und Kriminalisierung bedeutet und was das Ganze mit der Frage nach individueller und kollektiver Verantwortung zu tun hat.
Im zweiten Teil sprechen wir über Alternativen. Was braucht es, um ohne Gefängnis und ohne Strafe auszukommen? Verschiedene Modelle – Stichwort Restorative Justice, Transformative Justice – werden vorgestellt und je nach Zeitrahmen das ein oder andere in einfachen Übungen ausprobiert.

Dazu gibt es Inputs zu Geschichte und Theorie aus meinem Wissensschatz.

Kontakt bitte per Kommentar hier oder über Twitter.

Mithu Sanyal: eine Welt ohne Gefängnisse

Protokoll einer Diskussion zwischen uns. Mit Hinweis auf das Buch!

Eine Welt ohne Gefängnisse

Alle Menschen in Deutschland sind frei – außer den etwa 60.000 Häftlingen. Wäre die Gesellschaft eine bessere, wenn es keine Gefängnisse gäbe? Und was müssten wir alles ändern, um diese Utopie möglich zu machen?

Heute in der TAZ: https://taz.de/!5641422/

WORKSHOP: Das Strafen überwinden.

21. März 2020
22. März 2020

Workshop zur Alltäglichkeit des Strafens und Restorative Justice als Alternative

Im FRIEDENSBILDUNGSWERK KÖLN

Sa 21. 03.und So 22.03 2020 / jeweils 10.00 – 17.30 Uhr/ 16 Ustd / Preis 120,- (80,-) / Anmeldung erforderlich / Kurs 81-R4

Dass wir strafen, erscheint uns als Selbstverständlichkeit. Manchmal erfüllt sie uns mit Unbehagen, aber wirklich in Frage stellen wir sie nicht. Dabei ist Strafe ist ein wichtiger Bestandteil von Herrschaft. Sie bedarf Institutionen, die sie ermöglichen und ausführen (Gerichte, Gefängnisse, Polizei) und sie setzt die herrschenden Regeln durch. Auch im Kleinen und im Privaten bedeutet zu strafen, dass sich ein Individuum über ein anderes erhebt, weil es sich (moralisch oder juristisch) »im Recht« sieht – sei es in der Erziehung oder in Beziehungen. Während einzelne Institutionen der Strafe (wie z.B. das Gefängnis oder auch die Züchtigung in der Schule) konjunkturell kritisiert werden, ist die Kritik der Strafe als solches eine Seltenheit. Doch Strafe, so Marshall Rosenberg, Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, ist „die Wurzel der Gewalt auf unserem Planeten.“ Sie sei „nutzlos und gefährlich“ findet die fanzösische Abolitionistin Catherine Baker, denn sie perpetuiert eine Gewaltspirale und verhindert friedliches Miteinander. Um einer friedlicheren und freieren Gesellschaft näher zu kommen, ist daher die Infragestellung von Bestrafung notwendig.

Wie aber kann es anders gehen? Welche Alternativen gibt es? 

Im ersten Teil erarbeiten wir gemeinsam, was Strafe eigentlich ist und warum wir sie einsetzen. Wir sprechen über unsere Erfahrung mit dem Strafen und Bestraft-werden, über die verschiedenen Kontexte des Strafens sowie über das Gefängnis und den gesellschaftlichen Strafapparat.
Im zweiten Teil geht es um Alternativen. Was braucht es, um ohne Gefängnis und ohne Strafe auszukommen? Verschiedene Modelle – Stichwort Restorative Justice, Transformative Justice – werden vorgestellt und je nach Zeitrahmen das ein oder andere in einfachen Übungen ausprobiert.

Dazu gibt es Inputs zu Geschichte und Theorie aus meinem Wissensschatz.

Begrenzt auf 12 Teilnehmende. Anmeldung beim Friedensbildungswerk

Buchvorstellung Strafe & Gefängnis in SINGEN/KONSTANZ

5. März 2020
19:00bis22:00

5.3.2020 | 19h

in welcher der beiden Städte ist noch unklar, aber haltet Euch doch in der Gegend schon mal den Termin frei!

 

NEU: Abolitionistisches Manifest!

Peter Seyferth: Is an Anarchist Law Possible?

Interessanter Beitrag zur Frage, wie eine Anarchistische Justiz aussehen könnte, mit ausführlicher Zitierung meines Buches :-)

Gleichzeitig interessante Kritiken und Überlegungen zu RJ und TJ.

https://www.academia.edu/39863300/Is_an_Anarchist_Law_Possible

Strafe & Gefängnis: Einführung in BIELEFELD [EN]

15. Oktober 2019
18:30bis21:30

Organisiert von »Cafe Exil«

Ort: Bürgerwache neuer Ort: AJZ

Punishment & Prison, Theory, Criticism, Alternatives.
Book presentation with Rehzi Malzahn
That we punish us seems a matter of course. Sometimes it fills us with discomfort
yet we actually do not question it. „Punishment is the root of violence on our
planet,“ writes Marshall Rosenberg, the founder of Nonviolent Communication.
Punishment is a core of domination: it requires institutions that carry it out, and means that one individual rises above the other. In order to come closer to a more peaceful and freer society, it is therefore necessary to handle the prison system and to question punishment.

But how could things be different? Which alternatives are there? These and other questions around the subject, punishment, jail, alternatives will occupy our minds in this evening.
The event will be bilingual German and English.
Café Exil Kontakt: cafe-exil@riseup.ne

WERBUNG: Camp gegen Repression bei Köln

Hier noch einmal ein Veranstaltungshinweis, der nichts mit mir, aber etwas mit unserem Thema zu tun hat:

Es gibt im September (11.-15.) ein transnationales Camp für praktische Solidarität und gegen Repression, & Knast in Köln-Leichlingen.

Hoffen wir, dass die Idee einer Kritik der Strafe im Allgemeinen auch vorkommt.

solidarity1803

Die Gewalt des Regimes Macron

Da ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Zug nach Frankreich. Vorhin erreichte mich die Nachricht eines Freundes, er sei in Béziers auf der »Marche Blanche«, dem Schweigemarsch, für den ermordeten Steve Canio, und es sei zum Fürchten. Die Polizei mache Tötungsgesten gegenüber den Demonstrant*innen, viele hätten aus Angst bereits die (von Anfang an verbotene: ein verbotener Schweigemarsch!) Demo verlassen, die Stimmung sei äußerst angespannt.
Bald kommt die zweite Nachricht, die Demo löse sich auf, es sei zu gefährlich, und die Polizei singe »Wir haben gewonnen«, außerdem mache sie nun Jagd auf die heimkehrenden Teilnehmer*innen. Ich solle mich bereit halten, gegebenfalls seine Anwältin zu kontaktieren. Noch nie habe er so etwas erlebt, und das, obwohl er an vielen militanten Auseinandersetzungen beteiligt gewesen sei, in Paris, Genf, Lyon und anderswo, er viele Gipfel und Proteste miterlebt habe.

Was ist passiert?

Der 21. Juni, längster Tag des Jahres, wird in Frankreich traditionell im Rahmen der «Fête de la musique» begangen, überall gibt es Konzerte und Parties im öffentlichen Raum. In Nantes waren die Veranstaltungen bis 4 Uhr morgens erlaubt. Um 4h15 (!) griff eine Polizeieinheit in Nantes auf einer Loire-Insel feiernde Student*innen an, viele sprangen aus Panik in den Fluss, einer, Steve, tauchte wochenlang nicht mehr auf, bis vor Kurzem seine Leiche gefunden wurde. Steve Canio ist ertrunken, als er vor einem brutalen Polizeieinsatz flüchtete.
Die Reaktion der Politik war zunächst wochenlanges Schweigen auf die in zahlreichen Medien und von Aktivist*innen und Freund*innen Steve’s gestellte Frage „Wo ist Steve?“ (#oueststeve?). Kein Wort kam der Regierung über die Lippen. Nun, nachdem klar ist, dass Steve durch diesen Polizeieinseatz zu Tode kam, heißt es, die Polizei habe natürlich gar nichts falsch gemacht und Steve sei selber schuld, alle möglichen kruden Versionen wurden verbreitet (und als Lügen entlarvt, zuletzt von einem Statement der Rettungssanitäter, die zum Einsatzort kamen).

Seitdem explodiert das Land vor Wut. Denn der Tod von Steve ist nur der letzte Kulminationspunkt einer immer repressiver und brutaler vorgehenden Regierung. Die Gilets Jaunes (Gelbwesten) haben mindestens einen wenn nicht zwei Tote durch Polizeihand (so etwa Zineb, eine alte Frau, die beim Schließen ihrer Fensterläden in Marseille von einer Tränengasgranate aus geringer Distanz, man kann es nicht anders sagen: abgeschossen wurde) zu beklagen, abgesehen von den Hunderten Schwerverletzter und Verstümmelter (abgerissene Hände und Ohren, zerstörte Augen, andere schwerste Gesichts- und Kopfverletzungen mit bleibender Entstellung) durch den Einsatz der sog. »Flashballs» Schockgranaten und Tränengasgranaten, die systematisch auf Kopfhöhe abgeschossen werden. Dazu kommen die zahlreichen Fälle von Misshandlung und Ermordung (präkarisierter) Jugendlicher (mit Migrationshintergrund) in Polizeigewahrsam (Adamá Traoré tot, Théo vergewaltigt, um nur zwei zu nennen), um die sich seit geraumer Zeit das »Comité Adamá« kümmert, dem auch der Soziologieprofessor und Theoretiker Geoffroy de Lagasnerie angehört. Seine Analysen zur Frage der Polizeigewalt sind brandaktuell und von äußerster Wichtigkeit für diesen Kampf. (Er spricht von »ordre policier« und nicht von »violence policière« um damit zu kennzeichnen, dass alles polizeiliches Handeln gewalttätig ist, und es eine Falle ist, es in legitim und illegitim oder verhältnismäßig und unverhältnismäßig zu unterscheiden, zumal sich die Polizei immer mehr selbst als Macht begreife, die dafür da sei, die »ungewollten« Bevölkerungsanteile (also den Surplus, die Misérables) zu eliminieren).

Nun, das ist der Hintergrund, vor dem heute im ganzen Land der »38. Akt« der Gilets Jaunes im Zeichen des Protests gegen die polizeiliche Tötung von Steve über die Bühne geht. In Nantes dauern zur Stunde die Strassenkämpfe noch an, und es wird von Schusswaffeneinsatz berichtet (ob das stimmt, wird noch zu überprüfen sein, aber es wundert halt niemanden mehr und man hält es, auch vor dem Hintergrund des Verhaltens der Polizei in Béziers, für möglich.) In Paris wird von der größten Mobilisierung seit Monaten berichtet. Die Regierung Macrons hat sich zu einem autoritären Regime entwickelt, das jeden Widerspruch mit brutalstmöglicher Gewalt beantwortet, während sie sich jede Kritik an den Polizeieinsätzen oder den Gebrauch des Begriffs »Polizeigewalt« verbittet, man lebe ja in enem Rechtsstaat, und da sei das per definitionem von vornherein ausgeschlossen.

Mir fällt dazu einfach nichts mehr ein. Ich wünsche mir die Zeit zurück, als Orwells 1984 ein Roman war. Gleichzeitig verneige ich mich vor dem Mut der Leute, auf die Strasse zu gehen, in dem Wissen, das nichts und niemand dich davor schützen kann, selbst Opfer schlimmster Verletzungen zu werden, oder verhaftet und für nichts und wieder nichts für Monate in den Knast zu wandern. Seit Beginn der Gilets Jaunes Proteste wurden Hunderte in Schnellverfahren für Lappalien zu Gefängnisstrafen verurteilt. Wann endlich fällt auch im Ausland auf, dass Macron nur ein auf Schönling getrimmter TrumpPutinErdogan ist? Die Strategie, das schlimmste zu verhindern (nämlich die Machtübernahme durch Marine LePen, also die FaschistInnen*) scheint endgültig als gescheitert angesehen werden zu müssen. Man fragt sich immer öfter: hätte LePen es schlimmer machen können?

Es sind düstere Zeiten.

 

*ich glaub die kodieren sich selber alle als binär, das ist ja schließlich ein faschistischer Laden.

Buchvorstellung Strafe & Gefängnis in BREMEN

16. Oktober 2019
18:00bis20:00

Das Souterrain befindet sich unter der Mensa. Wenn ihr von der Haltestelle Universität/Zentralbereich unter der Unterführung und durch die Tür zur Mensa geht, findet ihr uns gleich auf der rechten Seite.

Buchvorstellung Strafe & Gefängnis in PASSAU

18. Oktober 2019
19:00bis23:00

Genaueres folgt.


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